Seit gut drei Wochen haben hoffentlich viele Schulabgänger einen Ausbildungsplatz in unserer Stadt bzw. in der Emscher Lipps Region angetreten. Leider ist das für viele Schulabgänger in Castrop-Rauxel auch in diesem Jahr nicht so.
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) stehen den 511.000 Bewerber/Innen lediglich 405.000 betriebliche Ausbildungsplätze zur Verfügung. Das bedeutet, dass zum Ausbildungsstart 106.000 betriebliche Ausbildungsplätze fehlen.
„Die Situation fügt sich nahtlos in die dramatische Entwicklung der letzten Jahre und stellt der Wirtschaft und der Bundesregierung ein schlechtes Zeugnis aus“ kritisiert der DGB Vors. Udo Behrenspöhler. „Trotz Ausbildungspakt und Beteuerungen bleibt das Angebot an Ausbildungsplätzen in fast allen Berufen hinter der Nachfrage zurück. Jahr für Jahr laden ca. 400.000 Jugendliche im so genannten „Übergangssystem“ zwischen Schule und Beruf ohne Chance auf eine Ausbildung“.
Die Spitzen von IHK und Arbeitgeberverbänden klagen darüber, dass „rund 20% der Schulabgänger unzureichend lesen, schreiben und rechnen“ können. Dabei vergessen Sie, dass tausende von jungen Menschen seit mehreren Jahren auf Ausbildungsplatzsuche sind. Teilweise sind diese Jugendlichen 20 Jahre und älter und haben im Rahmen von Qualifizierungen durch das Berufkolleg ein kaufmännisches Grundschuljahr absolviert. Auf den Abschlusszeugnissen stehen sehr gute Noten und sie haben bereits 300 Bewerbungen geschrieben in unterschiedlichen Brangen. Selbst Angebote kostenlos zur Probe zu arbeiten waren nicht von Erfolg gekrönt. Viele von Ihnen sind bereits im Besitz eines Führerscheins aber eine Lehrstelle haben sie trotzdem nicht bekommen.
Mit jedem Misserfolg wächst der Frust und die Wut der jungen Menschen. Dabei werden ca. 40% der Bewerbungsschreiben überhaupt nicht beantwortet. Die jungen Menschen ziehen sich zurück und erwägen sogar gewisse Selbstzweifel. Sie stehen ohne Einkommen und das Geld für weitere Bewerbungsmappen, Fotos und Porto kommt von Vater und Mutter. Selbst auf Anfragen von Jugendlichen bei Arbeitgebern die Bewerbungsunterlagen zurück zusenden, wird nicht reagiert. Stattdessen werden pauschale Behauptungen angeführt wie: Jugendliche seien unzuverlässig, unpünktlich oder des Lesens, Schreibens und Rechnens nicht mächtig.
In einer solchen Situation Vorschläge zu unterbreiten, die die Arbeitsschutzrechte von jungen Auszubildenden in der Hotel- und Gaststättenbranche verschlechtern, wie es kürzlich der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) tat, ist ein unglaublicher Vorfall. „Die junge Generation hat ein Recht auf eine Perspektive im Berufsleben, ohne Langzeitarbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung“, fordert Udo Behrenspöhler.





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