Vor zwei Jahren rief Bundeskanzlerin Merkel zum Tag der sozialen Marktwirtschaft die Bildungsrepublik Deutschland aus. „Wohlstand für alle“ heiße heute „Bildung für alle“. Nach Auffassung des DGB ist nichts daraus geworden.
In der Emscher-Lippe-Region scheiterten junge Menschen an sozialen Hürden im dreigliedrigen Schulwesen, an Studiengebühren in den Hochschulen, an fehlenden Ausbildungsstellen in der Wirtschaft und an der mangelhaften Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit, an unbezahlten Praktika und Ketten von befristeten Arbeitsverhältnissen. Dagegen protostieren jetzt Schüler und Studierende zurecht mit einem Bildungsstreik „Fast alle nationalen und internationalen Vergleichsstudien stellen dem deutschen Bildungswesen ein miserables Zeugnis aus. Vor allem in Nordrhein-Westfalen hat die Politik jede Modernisierung des Bildungswesens unterbunden und stattdessen Studiengebühren eingeführt. Es ist deshalb gut, dass junge Menschen gegen diese ärmliche Politik aufbegehren, die ihre Zukunftschancen drastisch schmälert“, erläutert DGB-Vorsitzender Josef Hülsdünker die Haltung der Gewerkschaften.
Für Gewerkschaften sei Bildung von jeher ein Kampf gegen soziale Auslese und Schulstrukturen gewesen, die eine Klassengesellschaft widerspiegeln. Für die Gewerkschaften gehe es, so der DGB, immer auch um einen Verteilungskampf im Bildungswesen. So wehren sich die jungen „Bildungsstreikenden“ gegen die von schwarz-gelb forcierte Privatisierung von Bildungschancen und die Einführung des so genannten „Bildungssparens“. 150,00 Euro Staatseinlage soll es für Neugeborene geben, die auf einem Bildungskonto eingezahlt und nach dem Vorbild der Riester-Rente, Eltern und andere veranlassen sollen, weiteres Geld für Bildung aufzubringen. „Diese Idee hilft vor allem betuchten Bürgerinnen und Bürgern, anderen fehlt schlicht das Geld für ein solches Sparmodell. Es ist unsozial und riskiert die ausreichende Versorgung der Wirtschaft mit Fachkräften“, meint DGB-Chef Hülsdünker. Laut DGB soll sich die junge Generation von Schülern und Studenten besser nicht um „gewürfelte“ Kopfnoten kümmern, sondern ihr Recht auf eine qualitativ hohe, chancenreiche Bildung erkämpfen. „Das bewusste Fehlen im Unterricht im Rahmen des Bildungsstreiks und der Kampf um gute Bildung ist überdies eine gute Vorbereitung auf das wirkliche Leben als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer“, so Hülsdünker.
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