Bottrop, 06.11.2009, von Helga Pillar
DGB-Region-Chef Josef Hülsdünker: Ausbildungsplätze müssen schonungslos und interessenneutral nachgezählt werden.
Dass dem Landes-DGB-Chef Guntram Schneider der Kragen geplatzt ist und er von Beschönigungen auf dem Lehrstellenmarkt sprach, kann Josef Hülsdünker, Vorsitzender der hiesigen DGB-Region Emscher-Lippe, nur zu gut verstehen.
„Es ist an der Zeit, schonungslos und interessenneutral nachzuzählen”, sagt Hülsdünker. Denn es gebe schon eine deutliche Diskrepanz zwischen der immer wieder vorgetragenen Statistik von Kammern und Arbeitsagentur zur Zahl von Ausbildungsplätzen und der Wirklichkeit auf dem Ausbildungsmarkt. Da hätten die Argen dann viele junge Menschen ohne Ausbildung zu betreuen. Hülsdünker: „Wir haben bei einer Untersuchung in Gelsenkirchen nach vielen Jahren Ausbildungskonsens festgestellt, dass bei der Arge über 6000 Menschen unter 25 Jahren ohne Berufsabschluss in der Betreuung waren. Da fragt man sich: Wo kommen die jetzt her?” Konsequent wäre es, in einem Bildungsmonitoring zu verfolgen, wo jeder Schulabgänger bleibt. Momentan sei von einer „statistischen Scheinwelt” zu sprechen.
Hülsdünker kennt das Problem: Die Arbeitsagentur könne nur die zählen, wer sich bei ihnen meldet - nicht den, der es unterlässt. Die Kammern zählen ihre eingetragenen Ausbildungsverhältnisse, für andere Bereiche wie öffentlicher Dienst, Ärzte etc. zählten wieder andere.
Er verweist auf Beispiele, aus denen sich Fehlinterpretationen ableiten ließen. „Alle denken z.B., dass die bei den Kammern eingetragenen Ausbildungsverhältnisse mit Stellen in den Firmen gleichzusetzen sind. Aber das ist nicht so. Es gibt hunderte Stellen, die vom Arbeitsamt finanziert werden und außerbetrieblich eingerichtet wurden.”
Hunderte junger Menschen steckten auch in 1-Euro-Jobs - von den Argen vermittelt - „und gelten als versorgt. Aber was haben sie in Wahrheit? Keine berufliche Perspektive.”
Man müsse beginnen, die Übergänge von Schule zu Berufsleben zu strukturieren und nach Vorgaben zu zählen, wo die jungen Menschen hingehen. Falsche Eindrück entstünden auch mit Statistik über Betriebe. „Wenn gesagt wird, die Zahl der Ausbildungsbetriebe steige, dann sind da viele kleine dabei. Gemessen an der Zahl der ausbildungsfähigen Betriebe haben wir dramatisch zu wenige.”
Hülsdünker spricht von Fehlsteuerungen, die man aufheben müsste. Schon, weil diese Region in naher Zukunft Fachkräfte brauche und keine Schmalspurausgebildeten. Bei den Verantwortlichen, z.B. beim Bottroper OB Bernd Tischler, sei diese Botschaft auch angekommen.
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